Exposé 4

Migrantinnen begleiten und beraten Migrantinnen, die Opfer häuslicher Gewalt wurden: Vorteile, Grenzen und Probleme


von Silvia Häfeli-Lazo

Häusliche Gewalt hat langfristige Auswirkungen auf die ganze Familie und die Gesellschaft. Migrantinnen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind haben noch zusätzliche kurzfristige und langfristige Auswirkungen, die sehr mit ihrem Status als Ausländerinnen zusammenhängen.

Die Handlungsfähigkeit von Migrantinnen vor, während und nach dem Gewaltausbruch ist oft an den Zugang zur Information im Gastland gebunden. Die systematische Isolation seitens des Täters macht sie nicht nur emotional abhängig, sondern auch ihr Verhalten im Alltag wird von ihm bestimmt. Sie bekommt nicht die Chance, Deutsch zu lernen, bekommt nur dosierte oder manipulierte Informationen von ihm und in vielen Fällen werden ihr Kontakte zu anderen Menschen untersagt.

Erst in einer Krisensituation wird eine Frau mit ihren Möglichkeiten und der Realität konfrontiert. Erst dann bekommt sie Informationen über ihre Rechte und die verschiedenen Hilfsangebote und somit gelangt sie zu der Entscheidung, ins Frauenhaus zu gehen.

Ein Gespräch in der eigenen Muttersprache beugt Vorurteilen und Missverständnissen vor und erlaubt eine relativ unproblematische Mitteilung der traumatischen Erlebnisse.
Die Situation der Kinder, die oft selbst betroffen sind von der Gewalt, als Zuschauer des Leidens der Mutter, und der inneren Loyalitätskonflikte beiden Eltern gegenüber prägt ihren Alltag. In dieser Situation sind die Kinder insbesondere auf Unterstützung angewiesen.

Der Frauenhausaufenthalt ist ein wichtiger Schritt für die Unabhängigkeit von dem gewalttätigen Partner, die Verarbeitung des Leidens und um die ersten Schritte in die Integration zu machen. Die Unterstützung durch die Beratung und Kommunikation durch Migrantinnen, wenn die Sprachkenntnisse fehlen, hat sich als vorteilhaft erwiesen.

Wir, die Migrantinnen des Frauenhaus Violetta, hoffen auf eine bessere Zusammenarbeit mit allen Institutionen, die sich mit dem Thema häusliche Gewalt auseinandersetzen, um insbesondere optimaler auf die speziellen Bedürfnisse von Migrantinnen eingehen zu können.

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Ware Frau - Ware Mann - Ware Kind

Eine Textsammlung der Referate des 9. AGAVA-Kongresses zum Thema Menschen-Handel und Menschen-Ausbeutung in der Schweiz vom 3./4. September 2010

 

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